|

In Neema-Watoto Wetu, Nairobi - Montag, 22. Jänner 2007
Ein italienischer Arzt will Aids aus den Armenvierteln Kenias verbannen. Seine Medizin: kostenlose ärztliche Betreuung auch für die Armen. In Afrika geschehen auch Wunder. So wie jenes, das ein italienischer Arzt vollbringt, der Doktor Gianfranco Morino aus dem Piemont, der schon zwanzig Jahre hier ist und der morgen unter dem Beifall des ganzen Weltsozialforums den Grundstein für ein neues Krankenhaus legen wird, in dem Frauen und Kinder aus den Slums kostenlos behandelt werden. Hier ist eine Geburt in würdigen Umständen möglich und abseits der Geißel Aids. Sein Ziel ist recht einfach, erklärt mir der Doktor Morino: die Krankheit bekämpfen, indem man ihre Ursache bekämpft, die Armut. In Nairobi gibt es hervorragende Krankenhäuser, erklärt der Arzt im Flüsterton, aber kommt nur mit der Kreditkarte hinein. Die Armen bleiben draußen und sterben. Die Hälfte der fast vier Millionen Einwohner von Nairobi geht nie ins Krankenhaus, einfach deswegen, weil sie es sich nicht leisten können. Ein weiteres Viertel tut es trotzdem, aber dafür muss sich die Familie verschulden und verarmt schließlich. Nur das letzte Viertel kommt über die Runden, jene mit der Kreditkarte. Dabei würde es nicht an guten Krankenhäusern fehlen: Zwei der vier Kinder Morinos sind hier glücklich und zufrieden geboren worden. Tatsache ist, dass in Kenia die Gesundheit kein Recht ist, sondern ein Gut, das man kauft und verkauft. Und unter jenen, die kein Geld haben, sich ihre Gesundheit zu erkaufen, sterben hundert mal so viele. Besonders die Kinder.
 |
| In den Armenvierteln sind die Kinder und ihre Mütter die Hauptopfer der Aids-Epidemie | In Kenia beträgt die Kindersterblichkeitsrate 60 auf Tausend (in Finnland eins zu tausend), aber in den Armenvierteln sind wir bei 150 auf Tausend. Nairobi ist voll von kleinen Krüppeln, Folgen einer schlechten Geburt. 70 Prozent der Wöchnerinnen in den Ghettos der Peripherie sind selber Kinder, und sie bringen ihre Babys allein und mit Schwierigkeiten auf die Welt. Oft übertragen sie ihnen das Aids, eine Epidemie, die mit einer guten Behandlung während der Schwangerschaft leicht vermieden werden könnte. Die Regierung ist stolz darauf, dass nur sieben Prozent der Todesfälle in ihrem Land auf eine HIV-Infektion zurückgehen, und das in einem Kontinent der von dieser Krankheit verwüstet wurde. Dass auch die Krankheit ungerecht verteilt ist, sagt die Regierung nicht: Ein Viertel der Frauen in den Slums ist infiziert. Also hat der Doktor Morino die Ärmel hochgekrempelt. Mit den Freiwilligen von "World Friends" hat er das erste Experiment einer Zusammenarbeit zwischen Nichtregierungsorganisationen, der katholischen Kirche (die Diözese hat den Grund gestiftet) und öffentlichem Krankenhaus (wo Morino arbeitet) ins Leben gerufen, hat Geld in Kenia und in der Welt gesammelt (in Italien hat sich besonders das Trentino hervorgetan), und schon bald wird am Rande der Armenviertel im Nordosten der Stadt - mit fast einer Million Einwohnern, die auf acht Quadratkilometer (mit Korogocho in der Mitte) zusammengepfercht sind - das neue Gesundheitszentrum "Neema-Watoto-Wetu" entstehen, das sich mit den Abteilungen Geburtshilfe und Pädiatrie vor allem um Frauen und Kinder kümmert, das sich dem Kampf gegen Aids verschrieben hat und das ein besonderes Merkmal trägt: Die Armen werden gratis behandelt. Ein Netzwerk von Mitarbeitern aus den Slums, das mit dem Krankenhaus verbunden ist, kümmert sich um die Prävention vor Ort und wird jene, die es brauchen, den sicheren Händen der Ärzte anvertrauen, ohne dass sie ein Bankkonto vorweisen müssen.
|
|
|